Auf dem Weg zu einer Auwald-Republik?

Wer spricht für den Wald? Der Leipziger Auwald ist durstig. Er hat über lange Zeit Wasser verloren, und für ihn ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. In den nächsten Jahren entscheidet die Stadt Leipzig über ihr Auenentwicklungskonzept, den langfristigen Plan für die Auen. Vieles davon fällt im Stadtrat.

Wir laden alle ein, die den Auwald kennen, erforschen, pflegen, bewohnen oder einfach gern in ihm sind: Vereine, Wissenschaft, Verwaltung, Anwohnerinnen und Anwohner, Neugierige. Wir wollen gemeinsam einer Vision für den Auwald näherkommen und den Weg zu den Entscheidungen offen begleiten, bevor sie fallen.

Der rote Faden

Ein Recht auf dem Papier bleibt wirkungslos, solange niemand es aktiv trägt. Das gilt für Menschenrechte, und es gilt für die Rechte der Natur.

Leipzig kennt diese Erfahrung. 1986 gründete sich hier die Arbeitsgruppe Menschenrechte und nahm den Staat bei seinen eigenen Zusagen beim Wort. Denselben Gedanken übertragen wir auf die Natur: den Staat an seinen eigenen Naturschutz-Versprechen messen, von europäischen Vorgaben bis zum Leipziger Plan für die Auen. Unser roter Faden heißt Beteiligung als Verantwortung, der Schritt vom Fordern zum Mitmachen.

Der Auftakt: die Auwald-Begegnung

Den Auftakt bildete die Auwald-Begegnung am 24. Juni, ein erstes Zusammenkommen, bei dem die vielen Sichtweisen auf den Auwald aufeinandertrafen und ins Gespräch kamen. Wie sich der Wald an diesem Tag selbst zu Wort meldete, erzählt die Grußbotschaft des Auwaldes. Daraus wächst nun ein Prozess, der das Auenentwicklungskonzept der Stadt Leipzig begleitet, offen und nachvollziehbar, im Vorfeld der Entscheidungen im Stadtrat.

Dabei arbeiten wir mit Formaten, die verschiedene Perspektiven erfahrbar machen. Eines davon ist die systemische Aufstellung: Menschen nehmen die Rollen im Auwald ein, vom Wasser bis zum Verkehr, und auf einmal wird spürbar, wo es klemmt und was zusammengehört.

Organismenrepublik und Manifest

Der weite Bogen führt zu einer Organismenrepublik: einem Beteiligungsformat, in dem Menschen als Fürsprecher für Eiche, Fluss oder Grundwasser sprechen, gestützt auf Forschungsdaten. Kein Tribunal, sondern gemeinsames Zuhören. Die Veranstaltungen, die diese Idee nach Leipzig bringen, nennen wir Auwald-Republik.

Daraus soll ein vielstimmiges Manifest für den Auwald werden. Es knüpft an ein Manifest an, das die wissenschaftliche Geschäftsführerin des UFZ mitverfasst hat, und macht dessen Gedanken für den Leipziger Auwald konkret. Den größeren Rahmen soll ein Auftakt-Symposium öffnen. Als nächsten Schritt planen wir einen Workshop bei der Langen Nacht der Philosophie am 27. November 2026. Weitere Formate sollen folgen.

Was wäre, wenn

Was wäre, wenn wir diese Auseinandersetzung nicht nur in Sälen führten, sondern draußen im Auwald selbst? Was wäre, wenn eine solche Entscheidung in einem Resonanz-Dome erlebbar würde, mit interaktiven Fulldome-Projektionen, in denen Daten, Bilder und Stimmen zusammenfinden? Das sind erste Ideen. Was daraus wird, entscheidet sich mit denen, die mitmachen.

Jetzt mitforschen

Die Grundlage ist offen für alle. Drei interaktive Atlanten machen das Wissen zum Auwald frei zugänglich:

Klick dich rein und bild dir deine eigene Meinung.

Von der Karte in die Entscheidung

Wissen ist der Anfang, nicht das Ziel. Deshalb wollen wir die Atlanten mit dem verbinden, wo Leipzig wirklich entscheidet. Die Stadt nutzt dafür ein offenes Beteiligungssystem namens DIPAS, auf dem jede und jeder Hinweise punktgenau in die Karte setzen kann. Dort läuft bis März 2027 das Verfahren zur Integrierten Wasserkonzeption, also die Frage, wie Leipzig künftig mit seinem Wasser umgeht und damit auch mit dem Durst des Auwaldes.

DIPAS sammelt die Beiträge, das kann es gut. Was wir dazugeben wollen, ist der Weg dorthin: eine einladende, verständliche Begleitung durch das Verfahren, so wie unser Standpunkt-Check schon heute durch die Auwald-Streitfragen führt. Aus dem Nachlesen im Atlas wird eine eigene Haltung, aus der Haltung ein Beitrag im offiziellen Verfahren.

Unter allem liegt dasselbe Fundament, der digitale Zwilling der Stadt, ein genaues Abbild Leipzigs aus echten Messdaten. Auf ihn stützt sich DIPAS, und auf ihn soll auch der Resonanz-Dome zugreifen. So schließt sich der Kreis: Was du auf der Karte markierst, kann eines Tages in der Kuppel erfahrbar werden, und was du in der Kuppel erlebst, fließt zurück in die Beteiligung. Wenn du mitmachen möchtest, melde dich bei uns.